Bach, Haydn, Mozart, aber auch Bräm, Janacek, Schüeli - Blick in die Geschichte des regioChors Binningen/Basel
 
Seit Herbst 2009 dirigiert Bohdan Shved den regioChor Binningen/Basel. Er wird das vielseitige und anspruchsvolle Konzertprogramm, das Thüring Bräm, der ehemalige und langjährige Chorleiter, gestaltet hat, weiterführen und mit neuen, wenig aufgeführten Werken bereichern.
 Die Anfänge
Die Anfänge des regioChors Binningen/Basel gehen auf den Männerchor Binningen und das Jahr 1975 zurück. Dessen damaliger Dirigent Volker Renicke wollte als Konzert zum 75-Jahr-Jubiläum das Mozart-Requiem aufführen, zu dem Sängerinnen gesucht wurden. Der schöne Konzertanlass weckte das Interesse für weitere Oratorien-Konzerte, doch der Männerchor Binningen wollte sein bisheriges Repertoire beibehalten. So suchten nun die Sängerinnen Männerstimmen und gründeten 1976 kurz entschlossen unter der initiativen und findigen ersten Präsidentin Elisabeth Ruegsegger die „REGIO-Singgemeinschaft Binningen" mit Volker Renicke als Dirigenten. Am 2. und 3. Juni 1976 veranstalteten sie in der Basler Martinskirche zwei vielbeachtete Konzerte mit Mendelssohns „Elias", der seit über 50 Jahren in Basel nicht mehr aufgeführt worden war.

Auf Volker Renicke folgt
Thüring Bräm

Volker Renicke, ein dynamischer, humorvoller und ideenreicher Musiker, war Chorleiter am Theater Basel und hätte gerne frischen Wind in die statisch-konservative Chorlandschaft der Region Basel gebracht, doch im gleichen Jahr wurde er zum Chefdirigenten des Kyushu-Sinfonieorchesters nach Japan berufen. Für die anschliessende Konzertsaison sprang Michael Kobelt aus Zürich ein.
Danach wurde Thüring Bräm, der damalige Leiter der Musikschule an der Musikakademie Basel und spätere Rektor der Musikhochschule Luzern, zum Dirigenten des Regio Chors Binningen/Basel gewählt. 1978 hatte sich der Chor für diesen Namen entschieden. Thüring Bräms Ideen und Ziele deckten sich mit den Wünschen und Interessen der Sängerinnen und Sänger. Seine musikwissenschaftliche Orientierung, sein Charisma und seine Begeisterungsfähigkeit für unkonventionelle Konzertprogramme boten immer wieder Überraschungen für die Chormitglieder und das Publikum. Dank Thüring Bräms fundierter und humorvoller Arbeitsweise waren sowohl die Chorproben wie die -wochenenden spannend und gut besucht. Grosse Unterstützung erhielt der Chor durch die jahrelange Mitarbeit von Susanne Würmli-Kollhopp, die vor allem durch das Einsingen und die Leitung von Stimmproben die stimmliche Qualität des Chors entwickelte.
Bekanntere und weniger bekannte Werke
Jährlich standen zwei bis drei Aufführungen mit grossen Oratorien und selten gespielten kürzeren Werken auf dem Programm. Werke wie Mendelssohns „Paulus", Verdis „Quattro Pezzi Sacri", Bizets „Te Deum", Puccinis „Messa di Gloria" oder Griegs „Olav Trygvason" gelangten in Basel zur Wiederentdeckung. Die Originalität des Programms wurde bestechend, wenn Thüring Bräm seine selbst komponierten grösseren Werke wie „Litteri un Schattä - Luci e ombre", oder „Übergänge" zur Uraufführung brachte. Dass sich das Werkverzeichnis des regioChors Binningen/Basel heute so umfassend und vielseitig präsentiert, ist weitgehend Thüring Bräms Verdienst. Er suchte und fand Musikstücke, die unbeachtet in Archiven lagerten, es jedoch aufgrund ihres musikalischen Wertes verdienten, den jüngeren Generationen vorgestellt zu werden.
Kleiner Chor
Opernprojekte
Um auch kammermusikalische Werke und insbesondere zeitgenössische Stücke aufführen zu können, entstand eine kleinere Formation aus Chormitgliedern, die im Selbststudium und mit wenigen Proben Konzerte veranstaltete. Die hohe Stimmqualität des Chors ermöglichte Engagements bei der Allgemeinen Musikgesellschaft AMG oder in den Volkssinfonie-Konzerten unter Dirigenten wie Moshe Atzmon, Antal Dorati und Horst Stein. Mehrere Sängerinnen und Sänger des regioChors Binningen/Basel wirken seit 2006 beim Opernfestival in Riehen unter der Leitung von Jan Schultsz mit. Einige singen zudem im Extrachor des Basler Theaters.
 Chorreisen
Mehrere Chorreisen ins Ausland, zweimal nach Prag und während des europäischen Kulturmonats nach Thessaloniki, bleiben in der Chorgeschichte unvergessen. Elisabeth Ruegsegger, die den regioChor Binningen/Basel von 1976 bis 2010 präsidiert hatte, trug mit ihrem unermüdlichen Einsatz und ihrem Organisationstalent zu dieser Bereicherung des Chorlebens bei.
 Chorzukunft
Mit dem Rücktritt des Dirigenten Thüring Bräm nach 32 Jahren endete 2009 eine wegweisende Epoche des regioChors Binningen/Basel.
Die künftige Finanzierung der Konzerte stellt den Chor vor grosse Herausforderungen. Wenn auch angemessene Mitgliederbeiträge und eine weitergehende finanzielle Opferbereitschaft der Mitglieder erste Voraussetzung für eine Tätigkeit mit Auftritten im In- und Ausland darstellen, sind Konzerte mit grösseren Orchestern ohne zusätzliche finanzielle Unterstützung durch die öffentliche Hand, kulturelle Institutionen und Wirtschaftskreise nicht denkbar. Unser ganz spezieller Dank für die regelmässige Unterstützung, die eine kontinuierliche Probenarbeit und Konzerttätigkeit erst ermöglicht, geht an die Gemeinden Binningen und Bottmingen und den Kanton Basel-Landschaft. Überdies danken wir all jenen Institutionen und Firmen in Basel-Stadt, die sich immer wieder mit finanziellen Beiträgen für die Ziele des Chors einsetzen. Wir sind zuversichtlich, dass der regioChor Binningen/Basel mit vereinten Anstrengungen weiterhin zur Freude des treuen Publikums und zur Lebensgestaltung der Chormitglieder das Basler Musikleben bereichern wird.

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