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Historie des Chors


Elisabeth Ruegsegger-Kress, Präsidentin

Will ein Männerchor ein Jubiläum mit der Aufführung des Mozart-Requiems krönen, braucht er eben Frauenstimmen dazu. In dieser Situation hat der Männerchor Binningen 1975 unter der Leitung seines damaligen Dirigenten, Volker Renicke, für einen Damen-Zuzug gesorgt, der nicht nur eine würdige Aufführung des Werks sicherte, sondern auch da und dort Appetit auf weitere Oratorien-Konzerte aufkommen liess. Vor allem Mendelssohns "Elias", der schon seit über 50 Jahren in Basel nicht mehr aufgeführt wurde, war im Gespräch. Da aber der Männerchor Binningen seinen traditionellen Weg weitergehen wollte, waren es nun vor allem die Damen, die sich nach den nötigen Männerstimmen umsahen und im Jahr darauf kurzentschlossen die "REGIO-Singgemeinschaft Binningen" gründeten, deren Einstand ins Basler Musikleben am 2. und 3. Juni 1976 mit zwei vielbeachteten Elias-Aufführungen in der Basler Martinskirche gefeiert wurde.

Renicke, damals Kapellmeister am Theater Basel, dynamischer, humorvoller und ideenreicher Musiker (mit Heimatschein Hansestadt Bremen), hatte grosse Pläne für seinen jungen Chor, und es war ein offenes Geheimnis, dass es ihm nicht übel gefallen hätte, etwas frischen Wind in die statisch-konservative Chorlandschaft unserer Region zu bringen. Dass der "Elias" allerdings sein einziges in Basel zur Aufführung gebrachtes Oratorium bleiben sollte, wurde für seinen Chor zur Gewissheit, als Renicke noch im gleichen Jahr zum Chefdirigenten des Kyushu-Sinfonieorchesters nach Japan berufen wurde. 

Für die anschliessende Konzertsaison sprang Michael Kobelt aus Zürich, ein Dirigierschüler von Renicke, in die Bresche. Eine glückliche Fügung wollte es dann aber, dass der damalige Leiter der Musikschule an der Musikakademie Basel, Thüring Bräm, an der "REGIO-Singgemeinschaft Binningen" ebenso interessiert war wie sie an ihm. Man fand sich schnell - und dabei blieb es bis heute.

Bald stellte der Chor fest, dass auch Bräms Ideen und Ziele in die ihm bereits vertraute Richtung wiesen. Bräms ausgeprägte musikwissenschaftliche Orientierung, verbunden mit seinem persönlichen Charisma, wurden für den Chor je länger desto deutlicher zum Garanten einer unüblichen, gelegentlich vielleicht provokanten, aber immer für positive Ueberraschung besorgten Programmgestaltung. Ein leichtes Chorleben war es nicht, was Bräm seinen Sängerinnen und Sängern zu bieten beabsichtigte. Jährlich zwei bis drei Aufführungen, möglichst wenige Wiederholungen, immer Neues und häufig Unbekanntes - so die Zielsetzungen, die in Basel zur Wiederentdeckung von Werken wie Mendelssohn's "Paulus", Verdi's "Quattro Pezzi Sacri", Bizet's "Te Deum", Puccini's "Messa di Gloria" oder Grieg's "Olav Trygvason" geführt haben. Dass es diesen Zielsetzungen zum Trotz nicht zur "Probenplackerei" kam, ist wiederum Thüring Bräms charismatischer, tief menschlicher und humorvoller Arbeitsweise zu verdanken. Der Chor bedankt sich dafür mit vollzähligen Anwesenheiten an Chor-Wochenenden, an welchen mit harter Arbeit letzter Schliff an ein Konzert gelegt wird und auch musikwissenschaftliche Hintergrundinformationen zum vorliegenden Stoff geboten werden.

Bräms Ueberzeugung, dass allzuviel wertvolle Musik unbeachtet in Archiven begraben liegt - Musik, die es verdiente, jüngeren Generationen neu zu Gehör gebracht zu werden - hat das Werkverzeichnis seines Chors schon reich belebt. Viele interessante, spannungsgeladene und faszinierende Konzert-Veranstaltungen sind auf diese Weise zustandegekommen. Manch' eine hat Notenprobleme hervorgerufen, weil ausser Thüring Bräms handschriftlicher Partitur-Kopie noch keinerlei gedruckte Noten zur Verfügung standen.

Gerade diese Vielseitigkeit in der Literaturauswahl liess den Wunsch nach einem kleineren Klangkörper aufkommen, der sich anderer Stilrichtungen im kammermusikalischen Bereich annehmen konnte. Der aus praktischen Erwägungen 1978 in "REGIO-Chor Binningen / Basel" umbenannte Chor bildete in der Folge eine "Kleine Formation" aus Chormitgliedern , die bereit und fähig sind, ein Werk im Selbststudium mit vier bis sechs Gesamtproben einzustudieren.

Eine besonders erfreuliche Seite der Chorgeschichte betrifft übrigens den Umstand, dass sowohl der grosse REGIO-Chor wie auch seine kleine Formation in verschiedenen Engagements (u.a. Allgemeine Musikgesellschaft AMG, Volkssinfonie-Konzerte) an die Oeffentlichkeit treten konnten, wobei sich jeweils Gelegenheit zur Arbeit mit Dirigenten wie Moshe Atzmon, Antal Dorati oder Horst Stein bot, was immer mit wertvollen Erfahrungen verbunden war.

Grosse Unterstützung erhielt der Chor auch durch die jahrelange Mitarbeit von Susanne Würmli-Kollhopp, die vor allem durch ihr Einsingen und die Leitung von Stimmproben die Entwicklung der stimmlichen Qualität des Chors stark mitprägt.

Die Historie wäre unvollständig ohne einen Seitenblick auf das existenzielle Umfeld des Chors. Wenn auch angemessene Mitgliederbeiträge und weitergehende finanzielle Opferbereitschaft der Mitglieder erste Voraussetzung für eine Tätigkeit mit auswärtigen Auftritten im In- und Ausland darstellen, sind doch Konzerte mit grösseren Orchestern ohne zusätzliche finanzielle Unterstützung durch die öffentliche Hand, kulturelle Institutionen und Wirtschaftskreise nicht denkbar. Unser ganz spezieller Dank für jene regelmässige Hilfe, die den kontinuierlichen Betrieb des Chors erst ermöglicht, richtet sich an die Gemeinde Binningen und den Kanton Basel-Landschaft. Aber auch bei all jenen Institutionen und Firmen der Stadt Basel, die sich immer wieder mit finanziellen Beiträgen für die Ziele des Chors einsetzen, bedanken wir uns an dieser Stelle herzlich für die gebotene Hilfe. Umsomehr als die Zuwendungen von kulturfördernden Institutionen an die Klassik in letzter Zeit sehr deutlich zurückgehen, wird uns die Finanzierung unserer künftigen Konzerte leider vor wachsende Probleme stellen.

Dennoch hoffen wir zuversichtlich, der REGIO-Chor Binningen / Basel könne sich im gleichen Sinn und Geist weiterentwickeln und seinen Platz im Musikleben unserer Region auch in Zukunft behaupten - zur Freude seines treuen Publikums und zur persönlichen Lebensbereicherung seiner Mitglieder.