Bohdan Shved

(*1973, Lviv)


Bohdan Shved begann sein Musikstudium als Flötist, Pianist und Dirigent an der Musikakademie seiner Heimatstadt Lviv in der Ukraine. Sein Studium im Fach «Opern und Sinfonien dirigieren» bei M. Kolessa schloss er mit Auszeichnung ab. Weitere Studien am Mozarteum in Salzburg bei Dennis Russell Davies und in Leipzig bei Christian Kluttig wurden ebenfalls mit Auszeichnung absolviert. In mehreren Meisterkursen bei Zsolt Nagy, Pöter Eötvös, Sir Colin Davis, Yuri Simonov und Sylvain Cambreling bildete er sich weiter.

Erfolgreich förderte er den Nachwuchs in diversen Studenten- und Akademieorchestern in Passau, Halle, Schleswig-Holstein und Augsburg mit anspruchsvollen Werken. Als Assistent arbeitet er regelmässig mit Kirill Petrenko und Kazushi Ono an der Opéra de Lyon. Bei einzelnen Projekten assistierte er Dennis Russell Davies in München und Jürg Henneberger in Basel.
   

___________________________________________________________________________________________________________________

 

INTERVIEW mit Bohdan Shved (Fragen David Hoffmann)
___________________________________________________________________________________________________________________

 

Du hast in der Ukraine deine Ausbildung gemacht.
Wo lagen deine Schwer-punkte?

 

Orchester und Operndirigent. Als Sänger war ich in verschiedenen Chören tätig, wo ich auch gelegentlich Assistenzen übernommen habe. So war ich mit der Chor- und Orchestermusik vertraut und verbunden. 

 

Welche Lehrer haben dich besonders beeinflusst und weshalb? 

 

Mein erster Lehrer, bei dem ich im Chor gesungen habe und dann auch Assistent war, ist Synowij Demzjuch in meiner Heimatstadt Lviv (Lemberg). Ihm verdanke ich als Chorleiter und Musiker sehr viel. Dann gab es noch für mich den Howard Armen, Dirigent des Salzburger Bachchors, bei dem ich auch gesungen und assistiert habe – er war mein Lehrer für Barock- und mitteleuropäische Chormusik. 

Auf dem Gebiet der Orchesterleitung bin ich ein Schüler von Jurij Simonov. Er war siebzehn Jahre Chefdirigent des Bolschoj Theaters in Moskau. Was die Arbeit mit dem Orchester betrifft, da komme ich aus der Peter Eötvös Schule. Er ist ein ungarischer Komponist und Dirigent.   

 

Wo schlägt dein musikali-
sches Herz? In welcher Epoche, bei welcher Gattung Musik?

 

In der Spätromantik und beim Impressionismus; aber auch im früheren-mittleren 20. Jahrhundert, und bei der Musik, die zur Zeit in der Ukraine und Russland geschrieben wird! 

 

Was hat dich in die Schweiz geführt? 

 

Basel! In der Schweiz ist man sich nicht immer bewusst, welche Bedeutung diese Stadt in der Welt der Kultur überhaupt einnimmt! Die Stichwörter wären – Schola Cantorum, Paul-Sacher Stiftung und ihre Geschichte, Interesse zur Zeitgenössischen Musik, Musikbibliotheken, z.B. diejenige der Musikakademie ist eine Schatzgrube weltweit. Auch das hohe Niveau beim Musizieren der Laien.  

 

Was sind neben dem Dirigat beim regioChor deine
weiteren musikalischen Engagements?
 

 

Dirigieren in der Oper, zunehmend Engagements in der Ukraine mit grossen und kleinen Orchestern und mit Ensembles für neue Musik. In der Schweiz leite ich noch einen kleineren Chor in Zug, mit dem wir gerade ein Jazz-Programm vorbereiten mit einer Jazzband und einem Solisten aus der Szene. 

 

Du arbeitest als Assistent an der Opéra de Lyon. Was
bringt dir die Opernarbeit
für die Arbeit mit einem Laienchor?
 

 

Alles! Wir könnten darüber lange sprechen! 

 

Viele Menschen haben
ein oder zwei erschütternde musikalische Erlebnisse, bei deren Erinnerungen sie noch nach Jahren Gänsehaut bekommen. Hast du auch
so ein Erlebnis?
 

 

Natürlich: ­­Maris Jansons ist immer so ein Erlebnis, auch Valerij Gergiev mit Feuervogel bei den Salzburger Festspielen mit den Wiener Philharmonikern - ich glaube es war 1998. Dann das Singen mit Howard Armen: das Weihnachtsoratorium in Salzburg. Auch die King's Singers live in Salzburg... Noch einige Asiatische Musiker mit ihren Nationalinstrumenten. 

 

Hast Du Zeit für ein Hobby,
und verrätst du es uns?
 

 

Wenn ich nicht dirigieren sollte, würde ich mich voll und ganz dem Tai Chi widmen; im jetzigen Zeitpunkt komme ich nur sporadisch dazu.